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Praxis

Beispiele für Anwendungsfragestellungen

1. Betrachtung von Bildern: Wahrnehmung und Gefallen

In vielen Lebensbereichen werden Bilder eingesetzt: zur Werbung, in der Kunst in Ausstellungen und Galerien. Auch Konsumgüter werden oft als Bilder präsentiert, und stehen somit auch für das Objekt. Wir haben in unseren Labors die Möglichkeit, zu messen, wohin ein Betrachter zuerst schaut, wie lange bestimmte Merkmale, und in welcher Reihenfolge Dinge betrachtet werden. Dabei kann man auch messen, worin sich zwei Produkte unterscheiden, und die Betrachtung welcher Merkmale dazu führt, dass etwas besonders gut gefällt. Die Messung von Augenbewegungen kann dabei Erkenntnisse liefern, die den Betrachtern gar nicht bewusst sind, da sie selbst häufig nicht sagen können, wo sie hingesehen haben.

  • Wir können somit z.B. die Effizienz von Werbe- und Informationsbotschaften, aber auch die Wirkung eines Bildes oder eines Designentwurfes messen.
  • Mit Hilfe von Augenbewegungskameras können wir das genaue Blickverhalten („Eyetracking“) der Zielpersonen erfassen und anschaulich machen:
    Welche Bereiche fixieren Personen überhaupt? Welche Bereiche „springen“ als erstes ins Auge? Wie häufig und wie lange werden bestimmte Bereiche fixiert?
  • Die Pupillengröße ist ein entscheidender Hinweis darauf, wie stark die Aufmerksamkeit der Person auf ein bestimmtes Objekt ist. Da die Pupillengröße nicht willentlich beeinflusst werden kann, ist die Erfassung der Pupillengröße („Pupillometrie“) eine essentielle Variable, zumal sie nicht von sozialer Erwünschtheit oder anderen störenden Faktoren verzerrt wird. Typische Fragestellungen, die durch diese Technik beantwortet werden können:
    Welche Bereiche erregen am meisten Aufmerksamkeit? Was gefällt dem Betrachter/der Betrachterin besonders gut? Unterscheidet sich die Art und Weise, in der Kunst ästhetisch wahrgenommen wird, von anderen Formen der Betrachtung?

2. Gefallen von innovativen Produktdesigns

Ein wesentliches Merkmal einer wettbewerbsstarken Ökonomie ist das Vorhandensein von Innovationen. Gerade im Sektor Produktdesign ist die Rolle technischer, aber auch gestalterischer Designinnovationen nicht zu
überschätzen. In einigen Studien (Leder & Carbon, 2005) haben wir aber gefunden, dass spontane Beurteilungen innovative Produkte keineswegs bevorteilen: unsere BetrachterInnen bevorzugten eher klassische Designs. Erst nach einer kurzen, aber intensiven Phase der Beschäftigung wurden die innovativen Designs zunehmend bevorzugt, und sie wurden sogar weiterhin als gleich innovativ eingeschätzt (Carbon & Leder, 2005).

Welche Fragen interessieren uns in unserem Forschungsschwerpunkt?

  • Bevor Produkte die Marktreife erreichen, werden sie vielfältigen Tests und Evaluationen ausgesetzt. Das Ziel ist, die Akzeptanz und die künftige Marktpersistenz zu optimieren. Um ein möglichst aussagekräftiges Bewertungsportfolio zu erhalten, orientiert man sich üblicherweise an "typischen" KonsumentInnen. Eine der wesentlichen Fragen, die uns beschäftigen, lautet: wie verändert sich das Gefallen über die Zeit?
  • Was mögen KundInnen wirklich? Welche Designs gefallen zwar auf den ersten Blick, überzeugen aber nicht auf Dauer? Wie hoch wird die Akzeptanz von Produktdesigns in der Zukunft sein? Welche Produktdesigns werden auch in Zukunft die Aufmerksamkeit erhalten? Welche Designs sind auch morgen noch akzeptiert?
  • Der zusätzliche Einsatz von neurophysiologischen Testverfahren (EDA und Messung von Augenbewegungen) hilft, auch unbewusste Bewertungsprozesse, die nicht von sozialen Prozessen überdeckt werden, sichtbar zu machen.

3. Muss man Kunst verstehen, um sie zu mögen?

Wir haben erforscht, dass es sehr schnell geschieht, die Qualitäten von Kunstwerken zu erkennen. Schon nach einem Bruchteil einer Sekunde kann man sagen, ob zwei Kunstwerke denselben Stil haben; noch schneller wird der Inhalt grob erkannt (Augustin et al., 2008). Wir haben auch gezeigt, dass es eine Besonderheit der Kunst ist, sie vielleicht nicht vollständig verstehen zu müssen: auch ein gewisses Maß an Ambiguität lässt sich durchaus gut an. Und wir haben genauer erforscht, welche zusätzlichen Informationen zu einem gesteigerten Kunsterleben führen. So werden abstrakte Kunstwerke besser verstanden (und gefallen auch besser), wenn man zusätzlich neue Informationen darüber erhält, wie die Kunstwerke gemalt wurden.

Welche Fragen interessieren uns in unserem Forschungsschwerpunkt?

  • In unserem WFP Projekt haben wir untersucht, in welchem Maße Ambiguität zur Komplexität von Kunstwerken beiträgt, ob Ambiguität gefallen kann, und ob dies in der Kunst besonders der Fall ist, und wie lange das Entdecken und Bewerten von Ambiguität dauert.

 4. Haptische Qualitätseinschätzungen

In den letzten Jahren haben wir ein Labor zur Messung von haptischen Erfahrungen aufgebaut. Wir können erforschen, wie verschiedene Oberflächen wahrgenommen werden, und auch, welche Oberflächen besonders attraktiv sind.

  • In vielen Anwendungsfeldern ist die haptische Qualität von Produkten sehr wichtig. Dies umfasst Sicherheitsaspekte, wie z. B. guter Grip bei sicherheitsrelevanten Bedienungssettings, weiters Bedienaspekte, wie z. B. Schalterqualitäten, und Wohlfühleffekte, wie z. B. Materialität von Sitzbezügen.
  • Wir können haptische Qualitätseinschätzungen messbar machen und so wichtige Impulse für das Design von Produkten mit haptischen und taktilen Qualitäten geben.
  • Unsere Forschung im Bereich Haptik kann zeigen, dass typische Konsumenten haptische Qualitäten kaum einschätzen können. Man kann diese Einschätzungsqualität jedoch stark verbessern, indem man sowohl szenariobasierte Settings verwendet, als auch die von uns entwickelte RET einsetzt. Dadurch erreicht man deutlich verbesserte Vorhersagequalitäten für die Einschätzung von haptischen Qualitäten.
  • Welche Materialität sollte eine Produktoberfläche aufweisen, damit der Anwender diese als positiv erlebt? Welche Qualitäten sollten für spezifische Produkte innerhalb bestimmter Settings verwendet werden? Welches Ansprechverhalten sollen z.B. die Schalter im Bedienpanel von MP3-Playern der Zukunft besitzen?

Dies sind ein paar Beispiele für die Fragen, die wir mit unseren Methoden im Forschungsschwerpunkt untersuchen.

→ zu unserer Labor-/Experimentalausstattung 

Univ.-Prof. Dr. Helmut Leder
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Fakultät für Psychologie
Institut für Psychologische Grundlagenforschung und Forschungsmethoden

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